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Das Karl-Heinz Köpcke-Buch

Biographie von Karl-Heinz Köpcke

Karl-Heinz Köpcke wurde am 29. September 1922 als erstes Kind einer Hamburger Bürgerfamilie geboren. Er wuchs als Einzelkind auf, erst als er 15 Jahre alt wurde, bekam er eine Schwester. Seine Mutter übertrug ihm die Aufgabe, täglich das Baby auszufahren, eine ziemlich peinliche Sache für den jungen Mann. Er löste das Problem auf seine Weise: Der Kinderwagen samt Baby wurde hinter den Büschen an der Kirche St. Johannis Harvestehude abgestellt, und er spielte Fußball mit seinen Freunden vor den Büschen. Offenbar waren alle zufrieden, denn das Arrangement fiel nie auf. Erst Jahrzehnte später erzählte er selbst die Geschichte.

Das Gymnasium besuchte er mit mäßigem Erfolg, so dass seine Eltern schließlich entschieden, ihn vorzeitig in eine kaufmännische Lehre zu geben. Diese wurde alsbald unterbrochen, da er zum Arbeitsdienst eingezogen wurde. Danach kam er zur Luftwaffe und wurde dort Funker im Panzerspähwagen, zuerst in Italien, später an der Ostfront. Seine grausamen Kriegserlebnisse hat er erst kurz vor seinem Tode erstmalig einem Menschen erzählt, geprägt haben sie ihn aber für sein Leben.

Nach kurzer Kriegsgefangenschaft kehrte er nach Hamburg zurück und begann über seine Zukunft nachzudenken. Den entscheidenden Anstoß gab eine Schauspielerin, die er auf einer Eisenbahnfahrt traf. Sie gab ihm den Rat, seine Sprechstimme ausbilden zu lassen. Diesen Rat setzte er auf seine Weise um: In der elterlichen Wohnung las er laut die Zeitung vor, wobei er um den großen Familien-Esstisch herumlief, um die Atmung zu schulen. Nach einigen Wochen täglichen stundenlangen Trainings stellte er sich dann beim damaligen NWDR vor. Man war recht angetan von seiner Stimme, riet ihm jedoch, noch einige Wochen weiter zu trainieren und dann erneut vorzusprechen. Stattdessen fuhr er nach Bremen und sprach dort bei Radio Bremen vor, wo man ihn sofort anstellte. Radio Bremen war damals ein Treffpunkt für viele aufstrebende Talente, Rudi Carrell, James Last, Paul Kuhn und viele andere lernte der junge Nachrichtensprecher dort kennen. Bei Radio Bremen traf er auch seine spätere Frau. Die beiden heirateten 1948. Eine eigene Wohnung hatte das junge Paar, wie viele andere in der Nachkriegszeit auch, nicht, sie wohnten mit in der großen Wohnung der Eltern der jungen Ehefrau. So kam das Angebot des NWDR Hamburg mehr als gelegen: Man bot ihm nicht nur eine Anstellung als Nachrichtensprecher, sondern auch eine Wohnung in der Parkallee an, ganz in der Nähe der elterlichen Wohnung am Mittelweg, also in der Umgebung, in der er aufgewachsen war. Fast zeitgleich verließen seine Eltern mit seiner Schwester Hamburg und zogen nach Düsseldorf, wo der Vater eine neue berufliche Aufgabe bekommen hatte.

Das Fernsehen gab der Karriere von Karl-Heinz Köpcke neuen Auftrieb. Ganz Deutschland kannte ihn plötzlich – und mochte ihn. Seine Familie war glücklich, den Sohn und Bruder auf diese Weise sehen zu können, denn das Reisen war damals noch weitaus langsamer und beschwerlicher, als wir es heute gewohnt sind. Dennoch traf man sich mehrmals im Jahr auch persönlich, entweder in Hamburg oder in Düsseldorf. Die Eltern waren sehr stolz auf ihren berühmten Sohn, und natürlich auch die Schwester, die jetzt nicht nur stolz auf einen großen Bruder sein konnte, sondern zudem ihn auch noch ihren Freundinnen im Fernsehen zeigen konnte. Bis heute ist die 20.oo-Uhr Tagesschau in der Familie seiner Schwester ein Muss.

Das Ehepaar Köpcke hoffte vergeblich auf Kinder. So arrangierte man sich und machte schon früh Reisen ins Ausland, zuerst nach Italien, später auch Fernreisen. Marina di Pietrasanta war für viele Jahre ihr Sommer-Reiseziel. Dort war man befreundet mit dem Wirt Romano und der Strandvermieterin Lisandra, dort war man Mensch, wie es in Deutschland wegen der zunehmenden Prominenz immer schwieriger wurde.

Eine große Rolle spielten in der Familie Köpcke die Hunde. Gertie war in ihrem Elternhaus mit dem Jagdhund Asta aufgewachsen, und Karl-Heinz hatte einen Dackel gehabt, jetzt entschieden sich die beiden für einen Cocker-Spaniel, Tino. Ihm folgten im Laufe der Jahre weitere Cockers, Jossele und Tevje. Ihnen allen war gemeinsam, dass sie reizende, verspielte, gut gepflegte, geliebte - und schlecht erzogene Hunde waren, so dass Frauchen und Herrchen Mühe hatten, den jeweiligen Hund bei Abwesenheit in andere Hände zu geben. Da die Hamburger Wohnung nicht groß war, man sich aber dort so wohl fühlte, kam ein Umzug in eine andere Wohnung nicht in Frage. Stattdessen mietete das Ehepaar ein Ferienhaus in der Nordheide an, so dass man die Freizeit dort verbringen konnte, wo auch der Hund Auslauf im Garten hatte und man selbst der Natur nahe sein konnte. Bis zu seiner letzten Sendung am 10. September 1987 verbrachte Karl-Heinz Köpcke seine Zeit teils in Hamburg, teils in Ahrensmoor. Für den Herbst 1987 war dann geplant, eine große Kreuzfahrt mit der MS Europa zu machen, sie war schon gebucht, und die beiden freuten sich riesig.

Doch das Schicksal wollte es anders: Ein Prostastaleiden, das jahrelang von den Ärzten als gutartig eingestuft worden war, musste nun durch Operation ausgeräumt werden. Dabei stellte sich heraus, dass es bösartig war, und das auch schon seit langem, denn es gab weit gestreute Metastasen. Kaum hatte sich Karl-Heinz Köpcke von der Operation erholt, hatte er einen Unfall auf der Straße vor seinem Haus, er fiel auf sein Knie, so dass mehrere Bänder rissen und die Kniescheibe beschädigt wurde. Während er den Unfall im Krankenhaus auskurierte, wurde bei Gertie eine bösartige Knochenmarkserkrankung diagnostiziert. Sie konnte das Krankenhaus nur noch ein Mal kurz verlassen, um zu Hause Weihnachten zu feiern. Wenige Monate später starb sie. Für Karl-Heinz Köpcke brach seine Welt zusammen. Er war seiner Krankheit mit so viel Zuversicht und Disziplin begegnet, jetzt verlor er seinen Kampfgeist. Nach insgesamt 13 Operationen und Aufenthalten in 4 Krankenhäusern starb er am 27. September 1991 in seiner Wohnung in der Parkallee, wie er es sich gewünscht hatte.

Copyright © 2014 Jörg Schädlich